Donnerstag, 18. Februar 2016

Die kleinen Momente

Zwischen den alltäglichen Situationen, gibt es immer wieder kleine Momente, die unglaublich viel Tiefe mit sich bringen, uns zum Nachdenken anregen und bewegen.

Als Lea und ich letzten Mittwoch in unseren siebten Klassen Bescheid gesagt haben, dass wir die Sportstunden und somit auch das Schwimmen aufgrund des Wetters ausfallen lassen müssen, trafen wir auf eine Klasse, die gerade eine sehr offene Unterrichtsform genossen. Die Lehrerin saß auf dem Tisch und erzählte einige Schwünge aus dem Leben und baute indes einige Weisheiten und Motti mit ein. Als wir unsere Ansage gemacht hatten fragte sie uns, ob wir unsere Arbeit hier lieben und ob wir mit tiefer Passion jeden Morgen aufstehen und den Kindern Freude bringen.
Mit einem Strahlen auf dem Gesicht konnten wir dies beide sofort bejahen.
Sie nahm uns daraufhin als Beispiel für ihre Schüler und sagte: "Seht ihr? Das ist wahre Passion. Und Liebe. Sie stehen jeden Morgen auf und erfüllen ihre Aufgaben und Arbeit so, dass sie selber wieder erfüllt werden. Es kommt alles zu ihnen zurück. Sie kommen hier nach Südafrika, verlassen ihre Heimat und tun einfach so etwas Gutes, ohne es zu berechnen. Das ist Liebe!"
Danach bedankte sie sich bei uns und wir verließen grinsend und ein wenig erfüllt mit Dankbarkeit den Klassenraum.

In den letzten zwei Wochen waren zwei ehemalige Freiwillige zu Besuch, die einige der Projekte besuchten und Zeit mit den Kindern verbrachten. Gestern waren sie auf Abschiedsbesuch im Kinderheim, brachten einige Geschenke mit und vergossen ein paar Tränen. Die meisten Kinder steckten diesen erneuten Abschied gut weg und waren nach wenigen Minuten wieder sehr entspannt. Bei Derrick war dies allerdings anders, Derrick hat einige geistige und körperliche Einschränkung und ist sehr sensibel. Er weinte schon, bevor Björn und Rieke sich verabschiedet hatten und Björn holte ihn schließlich zum Tschüss sagen nochmal aus seinem Zimmer.
Als die beiden abgefahren waren, gab ich ihm eine halbe Stunde und ging dann zu ihm. Er saß auf dem Bett und weinte immer noch bitterlich. Er ließ sich in meinen Arm fallen und schluchzte gut eine halbe Stunde vor sich hin. Er erzählte mir dabei, dass er traurig sei, dass die beiden jetzt wieder weg sind und dass es viel zu lange dauert, bis sie wiederkommen. Schließlich schlief er ziemlich erschöpft ein. Ich legte ihn daraufhin in sein Bett, deckte ihn zu und verließ den Raum.
In solchen Momenten, erkennt man erst, was für eine große Lücke die Freiwilligen hier hinterlassen und wie sie gleichzeitig die Herzen der Kinder füllen. Für ein Jahr werden wir hier Teil der Familie, werden zu Bezugspersonen und engen Vertrauten. Zu Freunden, Aunties und Spielkameraden. Aber auch zu Menschen, an die sie sich ihren Lebtag erinnern werden.
Besonders dieser Moment mit Derrick war für mich sehr bewegend und herzzerreißend. Und so traurig er war, hat er mir sehr viel bedeutet und mich dankbar werden lassen, für den Platz, den die Kinder uns in ihrem Leben geben.

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