Freitag, 4. Dezember 2015

Vorbereitungen und der erste Abschied

Laternen für die Parade - aus alten Konservendosen
In der letzten Woche haben wir uns hier in sämtliche Vorbereitungen gestürzt.
Zum einen sind wir dabei, das Ferienprogramm an der A.W. Barnes Primary School vorzubereiten, zum anderen fand am Samstag das "Benefit X-mas Cavalo Horse Festival" auf der Cavalo Stables Farm statt. Dieses Reitturnier mit mit anschließendem Weihnachtsmarkt und vielen weiteren Aktionen wie, einer Laternenparade, Tombola, Kinderschminken, Dressurreiten und Braai, wurde von vielen Sponsoren rund um East London unterstützt und alle Einnahmen des Tages gehen direkt an das ELCYCC, inbegriffen natürlich das Kinderheim und den Glen Stella Campus.
Im Voraus haben speziell Lea und ich uns um Preise und Sachspenden, sowie um Teile der Verpflegung gekümmert.



Aber auch im Kinderheim gab es einiges zu tun. So haben wir zum Beispiel für die Laternenparade Laternen aus alten Konservendosen gebastelt und um die 1000 Kekse gebacken, die später auf dem Weihnachtsmarkt verkauft wurden. Ebenso, wie die selbst gehäkelten Mützen.
Samstagvormittag waren alle Freiwilligen aus East London zur Stelle, um die letzten Vorbereitungen auf der Farm abzuschließen. Derrick und Siphelele hatten wir auch dabei, diese beiden nahmen nämlich am Turnier teil. Ganz zum Schluss, nach dem Dressurreiten und dem Pas de deux wurde es für uns ernst. Zuerst waren Derrick und ich dran. Ich glaube ich war fast ein bisschen nervöser als er. Derricks Part war auf dem Pferd zu setzen, sich auf den Ritt zu konzentrieren und vor allem die Körperhaltung wurde bewertet. Ich hingegen führte die Friesenstute Janna durch den Parcour mit vielen Manövern und passend zur weihnachtlichen Musik, was anfangs gar nicht so leicht war.
Aber letztendlich waren wir drei ein eingespieltes Team und es hat alles gut geklappt. Wir haben gemeinsam den zweiten Platz belegt und darauf war besonders Derrick mächtig stolz. Lea und Siphelele belegten mit Janna sogar den ersten Platz.


Die letzten Absprachen vorm großen Ritt


Und nach diesem aufregenden Vormittag ging der Tag erst richtig los. Nach einer kurzen Mittagspause holten wir alle Kinder aus dem Childrenshome ab und nahmen sie mit zur Farm. Sie hatten unheimlich viel Spaß, über den Weihnachtsmarkt zu schlendern und den Pferden im Stall einen Besuch abzustatten. Besonders für die Kleinen war die Begegnung mit Pferden absolutes Neuland und umso beeindruckender war es zu sehen, dass sie keinerlei Angst vor ihnen hatten. Wenn man bedenkt, dass einige der Pferde drei mal so groß sind wie sie selber, ist das wirklich bemerkenswert. Eigentlich hatte ich zusammen mit Leslie die Facepainting Station, als aber alle Kinder geschminkt waren, bestand meine Aufgabe weitgehend darin die Kleinsten hoch zu heben, damit sie Janna streicheln konnten. Janna ist sowohl zum Therapiereiten als auch im generellen Umgang mit Kindern sehr gut geeignet. Sie spürt die Unsicherheit der Kinder und steht ganz still, wenn die Kinder sich ihr nähern. Sie lässt auch mal ein kleines Ziepen an der Mähne gekonnt über sich ergehen und ist sehr geduldig, wenn das Hufe auskratzen mal länger dauert, als erwartet.
Genauso gerne, lässt sie sich von den Kindern aber auch mit Streicheleinheiten und vielen Karotten verwöhnen.
Beim Striegeln packen alle mit an

Das Besondere bei der sogenannten "Hippotherapie" ist außerdem, dass sich durch die langsamen Bewegungen des Pferdes auch der gesamte Bewegungsapparat der Kinder einpendeln muss. Besonders Menschen mit Behinderungen fällt es dadurch leichter, ihren eigenen Körper zu spüren, da die Bewegungen des Pferdes auf Becken und Wirbelsäule übertragen werden. So werden Verkrampfungen gelöst, die gesamte Haltung verbessert und das Gleichgewichtssystem trainiert.
Aber auch das Verantwortungsbewusstsein der Kinder wird in unseren wöchentlichen Treffen auf der Farm immens gefördert. Es verlangt den Kindern einiges ab, Janna selbstständig von der Koppel in den Stall zu führen. Verständlich, wenn man die Verantwortung für ein Tier übernimmt, dass fünf Köpfe größer und über eine halbe Tonne schwerer ist, als man selbst.

Wir beendeten den Tag mit einer Tombola, einem St. Martins Schauspiel, vielen kleinen und großen Gewinnern und einem kleinen Braai. Und natürlich wurden auf der Rückfahrt viele der restlichen Kekse an unsere fleißigen kleinen Helfer verteilt.
Wir haben eine große Summe an Spendengeldern für das ELCYCC eingenommen und ich möchte mich bei jedem bedanken, der zum Gelingen dieses Tages beigetragen hat.
Ganz besonders bei meinen WG-Mädels! Ohne eure Unterstützung, Motivation und die Lust am gemeinsamen Tun wäre dieser Tag nicht zu dem geworden, was er war.
                                                        Danke! Danke! Danke!


In dieser Woche wurden Lea und ich daran erinnert, wie viel uns unsere Kinder im Childrenshome jetzt schon bedeuten. Asakhe erzählte uns am Anfang der Woche, dass er für immer nach hause darf. Hier wird das "Go home for good" genannt. Wir freuten uns unheimlich für unseren zehnjährigen Pausenclown und organisierten gemeinsam mit den Aunties und den Kindern eine kleine Farewell Party.
Diese legten wir bereits auf den Dienstag, das wir auch Anastasia und Wendy verabschiedeten. Diese beiden haben das Alter erreicht, in dem sie das Childrenshome aus freien Stücken verlassen können.
Es gab Cupcakes für alle, ein paar kleine Lieder, Geschenke und dicke Umarmungen.
Der letzte Tag war für Asakhe am Freitag geplant, also blieb noch genug Zeit zum persönlichen Verabschieden. Zumindest dachten wir das, Als wir aber Donnerstagnachmittag am Kinderheim ankamen erzählte uns Ntosh als erstes, dass Asakhe bereits abgeholt wurde und er das Home morgens für immer verlassen hat. Und hinzufügte sie direkt: "Don't cry" - "Nicht weinen" Dafür war es allerdings etwas zu spät. Also hatte ich innerhalb von zehn Sekunden fünf Kinder um mich rum, die mich umarmten, gemeinsam mit mir weinten und mich trösteten. Lea ging es da sehr ähnlich.
In diesem Moment ist mir bewusst geworden, wie sehr mir die Kinder bereits ans Herz gewachsen sind und gleichzeitig wie sehr die Kinder und die Aunties mich in ihre kleine Familie aufgenommen haben. Auntie Fundiszwa sang, während sie mich umarmte ein afrikanisches Lied, indem es darum geht, dass man nicht weinen soll, sondern in allem das Gute sehen soll.
Und genauso kann ich diesen Abschied von Askakhe auch beschreiben. Ich und die Kinder werden in unheimlich in der Dynamik der Gruppe vermissen. Er war der Pausenclown, der Checker, der Umarmungen einheimsende, der Nachdenkliche, der Fürsorgliche, einfach unser Asakhe. Aber genauso sehr freue ich mich für ihn, dass er in seine Familie zurück durfte und nun hoffentlich ein Leben im Kreise seiner Lieben vor sich hat.

Mach's gut Kleiner & vergiss' uns nicht! ♥

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