Mittwoch, 30. März 2016

Osterzeit in Südafrika

Da ja wie bereits berichtet alle anderen East London Freiwilligen über die Osterferien mit ihren Familien unterwegs sind wurde ich vom Schulleiter der A.W. Barnes eingeladen, die Ostertage mit ihm und seiner Familie zu verbringen. Am Mittwoch gab es ein traditionelles letztes Abendmahl in der Good Sheperd Kirche im Township. Dafür konnte man sich als Familie einen Tisch "mieten" und in diesem Kreise ein gemeinsames Abendmahl begehen.
Die Tische waren gedeckt mit Matzen (einer Art ungesäuertem Brot) und Weintrauben.
In einem Prozedere, welches über zwei Stunden dauerte gab es dann Wein, bzw. Traubensaft, bittere Kräuter, Weintrauben, Obstspieße, Matzen und zum Abschluss ein großes Festessen. Diese verschiedenen Stadien wurden immer vom Vater der Hauses eingeleitet. In diesem Falle also von Mr. Gamiet. Zwischendurch gab es viele Lesungen, Psalme, Gebete und untypisch für die südafrikanische Kirche sehr wenig Gesang. Die Pfarrer und weiteren geistlichen saßen am Ende des Raumes an einer langen Tafel und stellten in einer Art pantomimischen Spiel die verschiedenen Situationen des letzten Abendmahles dar.
Nach dem Festessen wurde der Abend in Schweigen und sehr schnell durch gemeinsames Aufräumen beendet.










Am nächsten Tag, also am Gründonnerstag gab es abends eine weitere Messe, bei welcher es erneut sehr viele Gebete und unterschiedliche Lesungen gab. Die Lesungen wurden von verschiedenen Leuten aus der Gemeinde gelesen und als ganz spontan noch zwei Leser gesucht wurden, drückte mir Mr. Gamiet einfach seine Bibel in die Hand und schickte mich nach vorne.
Ich habe Zuhause schon einige Lesungen gelesen, sogar schon eine in Paris in der FdC, einer Ordensgemeinschaft des heiligen Vinzenz von Paul.
Aber eine Lesung zu lesen, auf englisch, in Südafrika, die ich vorher noch nicht einmal gelesen habe war etwas anderes. Und für diese Umstände habe ich mich glaube ich ganz gut geschlagen. Mr. Gamiet hat sich zumindest sehr gefreut.
Nach der Messe aßen wir bei Familie Gamiet gemeinsam zu Abend und schauten Fußball. Spanien gegen Italien. Da Mr. Gamiet sehr fußballbegeistert ist, weiß ich jetzt theoretisch alles über jeden Spieler, zumindest wenn ich es mir gemerkt hätte.
Am nächsten Morgen stand ich gegen neun Uhr auf und war somit die Erste, die im Haus wach war. Nach ein paar Minuten gesellte sich Jamaine, Mr. Gamiets Sohn zu mir. Nach drei Tassen Kaffee und einem schrecklichen Film über Rugby standen auch Mr. Gamiet und Glyness auf und ich begann gemeinsam mit Glyness Frühstück zu machen. Traditionell für Karfreitag gab es eine besondere Art Fisch, "pickle fish". Diesen hat Glyness am Abend vorher in Fett gebacken und anschließend mit einer Menge Gewürze, Tomaten und Zwiebeln im Ofen gebacken. Fisch zum Frühstück klingt sehr gewöhnungsbedürftig, aber es war sehr lecker. Und sehr scharf.
Die Südafrikaner lieben es, ihre Speisen scharf zu würzen. Ich habe vorher kaum scharf gegessen, aber man gewöhnt sich schneller als gedacht an die anderen Gewürze.


Nach dem Frühstück machte ich gemeinsam mit Mr. Gamiet den Abwasch. Anschließend schnappten wir uns alle ein Buch und wir hatten noch ca. eine Stunde bis zum Mittagsgottesdienst.
Bei der folgenden Messe wurde erneut nicht gesungen, um die Trauer des Karfreitags zu untermauern. Zudem stand die Messe unter dem Motto: "The wonderous Cross". Während dieser Messe gab es sehr viel Stille und Trauergesänge.
Die Gemeinde Good Sheperd lebt ihren Glauben sehr intensiv und durch die Durchführung der verschiedenen Messen spürt man diese Nähe und Authentizität zum Glauben sehr stark. Diese Art von Glauben steckt an und lässt mich spüren, wie viel einfacher es ist, Glauben gemeinsam zu leben, in einer Gemeinschaft.











Am Sonntagmorgen gab es um 4:30 Uhr einen Auferstehungs-Gottesdienst, der sehr ähnlich ablief wie der Gottesdienst am Ostersonntag Zuhause.
Wir begannen bei völliger Dunkelheit draußen mit einem Feuer, von dem anschließend die Osterkerze entfacht wurde. Nach einem gemeinsamen Einzug in die Kirche wurde das Licht durch alle Reihen weitergegeben, bis jede Kerze entflammt war. Wie Zuhause. Das war unglaublich schön.
Und es wurde auch endlich wieder richtig gesungen, gefeiert und getanzt. In der Good Sheperd Kirche werden die Liedtexte per Beamer an drei Leinwände geworfen. Dadurch fällt es einem sehr leicht, sich auf die Feier einzulassen.
In der Messe gab es wieder sehr viele Lesungen, und jeder Leser kleidete sich von Schwarz zu Weiß um. Eine der Predigten hat es mir gedanklich sehr angetan:

Die Geschichte ereignete sich in Rom.
Ein Priester ging zum Friseur und ließ sich seine Haare und seinen Bart schneiden. Als der Friseur fertig war, gab ihm der Pfarrer einen Segensgruß mit auf dem Weg. Der Friseur erwiderte darauf, dass er nicht an Gott glaubt. Und dass er nicht wissen soll wie er an Gott glauben soll, wenn es so viel Leid auf der Erde gäbe. So viele Kriege, Armut und Probleme.
Der Priester antwortete nicht. Aber Gott findet seine Wege.
So verließ der Pfarrer den Friseursalon. Vor dem Salon stand ein Mann, mit einem langem Bart und langen, zerzausten Haaren. Der Priester nahm sich dem Mann an und nahm ihn mit in den Friseursalon. Er sagte zu dem Friseur: "Ich glaube nicht an Friseure. Ich glaube nicht daran, dass sie existieren. Nicht, wenn ich sehe, dass einige Menschen mit so langen Haaren herumlaufen." Der Friseur war sehr empört und beschwerte sich darüber, dass der Mann mit den langen Haaren nur so aussehe, weil er noch nicht beim Friseur war und er nicht zu ihm gekommen ist, um sich die Haare schneiden zu lassen.
Der Priester lächelte und sagte: "Und wie sollst du es schaffen an Gott zu glauben, wenn du nicht zu ihm kommst?"

Nach der Messe begleitete ich Familie Gamiet zum Osterfrühstück und gleichzeitig zum Abschiedsfrühstück für Jamaine. Er zieht am Donnerstag nach Johannesburg, da er dort bei einer Musikfirma einen Job annehmen wird. Es war ein sehr gesprächiges, lustiges Frühstück und der Abschied von ihm war ein bisschen traurig.

Jamaine hat bisher den Chor in der A.W. Barnes Primary School und in der Good Sheperd Kirche geleitet und die Gottesdienste musikalisch untermalt. Er wird definitiv in der Gemeinde und Community fehlen.






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